Gesundheits News

Darmkeimtherapie

22.08.2018 um 12:19

Wirkstoffe, die einen Stoffwechselweg von Darmbakterien hemmen, verhindern die Produktion einer Substanz, die die Bildung von Blutgerinnseln begünstigt

Cleveland (USA) - Darmbakterien produzieren unterschiedliche Substanzen, die unserer Gesundheit nützen oder schaden können. So setzen einige Mikroben aus bestimmten Nahrungsbestandteilen große Mengen eines Abbauprodukts frei, das den Blutspiegel an Trimethylaminoxid (TMAO) erhöht. Dadurch steigen das Thromboserisiko und die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Jetzt haben amerikanische Forscher Wirkstoffe entwickelt, die einen speziellen Stoffwechselweg von Darmbakterien blockieren. Dadurch sank im Tierversuch der TMAO-Gehalt im Blut und damit das Risiko eines Gefäßverschlusses durch Blutgerinnsel, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal „Nature Medicine“. Im Gegensatz zu Medikamenten mit vergleichbarem Effekt auf die Blutgerinnung erhöhten die Hemmstoffe die Gefahr von Blutungen nicht und könnten sich daher für eine vorbeugende Behandlung gefährdeter Patienten eignen.

„Unseres Wissens ist das die bisher wirksamste Therapie, die durch ‘medikamentöse Behandlung des Mikrobioms‘ einen Krankheitsprozess verändert“, sagt Stanley Hazen vom Lerner Research Institute der Cleveland Clinic. Damit ist ein Einsatz von Medikamenten gemeint, die die Funktion menschlicher Zellen oder Organe nicht direkt, sondern indirekt über die Darmflora beeinflussen. Das Forscherteam suchte nach Hemmstoffen, die die Darmbakterien daran hindern, cholinhaltige Nahrungsbestandteile abzubauen. Denn dabei entsteht zunächst Trimethylamin, das zu Trimethylaminoxid oxidiert wird, welches gesundheitsschädlich ist: Es verstärkt die Aktivierbarkeit der Blutplättchen und begünstigt die Blutgerinnung. Dadurch kann es leichter zu einem Verschluss von Blutgefäßen durch Gerinnsel kommen. Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an Cholin, Carnitin oder Lecithinen – darunter rotes Fleisch, Leber und Eier – sind besonders ergiebige Quellen für die TMAO-Produktion.

Die Forscher verabreichten Mäusen, die mit einer cholinreichen Nahrung gefüttert wurden, jeweils einen von mehreren Hemmstoffen, die zwei an der Cholinspaltung beteiligte Enzyme blockierten. Solche Enzyme gibt es in menschlichen Zellen nicht. Schon eine einzige Dosis genügte, um den erhöhten Blutspiegel an TMAO zu senken. Diese Wirkung setzte bereits nach einer Stunde ein und hielt einige Tage an. Dabei normalisierten sich die Funktion der Blutplättchen und die Thromboseneigung, ohne dass die Gefahr von Blutungen zunahm. Der Hemmstoff reicherte sich in den Darmbakterien an, so dass nur wenig in den Körper gelangte und keine schädlichen Nebenwirkungen auftraten.

Ein weiterer Vorteil, betonen die Forscher, bestünde darin, dass durch die Behandlung keine nützlichen Darmkeime abgetötet werden, wie es bei Antibiotika der Fall ist. Bei länger andauerndem Einsatz der neuen Wirkstoffe veränderte sich auch die Zusammensetzung der Darmflora, was den therapeutischen Effekt verstärken dürfte. Wenn sich die Ergebnisse in klinischen Studien bestätigen, stünde eine neuartige Form der Behandlung für Menschen zur Verfügung, die ein erhöhtes Risiko für Thrombosen und Herz-Kreislauferkrankungen haben.

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